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Meditation

Liebe Leute,

seit 2010 begleitet mich das Meditieren als unschätzbar wertvolle Stütze in allen Lebenslagen.
Eines vorab: Ich bin kein Meditationslehrer. Dieser Text soll nur eine kurze Anregung sein und vielleicht versucht sich ja jemand von Euch
einmal selbst an der sog. "geistigen Versenkung". Das würde mich sehr freuen. In diesem Sinne...


Während des Übens beruhigt sich unser sprunghafter Geist, der Herzschlag wird verlangsamt, die Atmung vertieft
und die Muskelspannung reduziert. Meditieren befriedet also nicht nur die Psyche sondern auch den Körper:
Sie ist ein ganzheitliches Mittel gegen Stress und seine Folgen, kostet nichts und hat keine negativen Nebenwirkungen.
Auch die bildgebende Forschung der Neurowissenschaften hat mittlerweile sehr gut belegt, dass Meditation die allgemeine Struktur und die
Aktivität bestimmter Hirnareale vorteilhaft beeinflusst.

Die mentale Kräftigung verlangt genauso wie das körperliche Training ein gewisses Maß an Disziplin und Ausdauer.
Wer nur ein mal pro Woche Sport macht, verspürt unter Umständen keine nennenswerte Verbesserung seiner Fitness. Ähnlich verhält es sich
mit der Entwicklung der geistigen Leistungsfähigkeit. Ich kann bestätigen, dass es einige Wochen oder sogar Monate der Praxis braucht,
um dauerhafte Veränderungen im Bewusstsein zu erreichen. Mediziner können allerdings schon nach zwei Wochen des regelmäßigen Übens,
die ersten neuronalen Veränderungen am Gehirn feststellen. Auf der emotionalen Ebene werden schwierige Situationen irgendwann mit einer unerwarteten Gelassenheit erlebt
und erst hinterher fällt einem auf, dass man ganz ohne die gewohnten Ausmaße negativ empfundener Gefühle wie Zorn oder Angst reagieren konnte.
Dies sind die goldenen "Aha-Momente" eines meditierenden Menschen.

Grundlegendes Ziel der ersten Übungen ist eine offene und möglichst nicht wertende Achtsamkeit, gerichtet auf sinnliche Objekte wie den Atem, Bilder, Geräusche,
Gerüche oder körperliche Wahrnehmungen. Auch Wortfolgen, sog. Mantras, können gesprochen oder still im Geist rezitiert werden. Dies alles führt mit regelmäßiger Praxis
zu einer Beruhigung des Geistes und schafft ganz automatisch eine mentale Klahrheit, welche wiederum der Ausgang ist für neue Perspektiven, frei von emotionaler Befangenheit.

Hierbei ist zu beachten: Meditation bedeutet nicht, dass man seinen Geist "entleert" oder in einem tranceähnlichen Schlummerzustand verweilen möchte. Die Gedanken zum Stillstand zu bringen ist nicht möglich
und sollte man dies versuchen, würde man schnell überfordert sein und die weiteren Bemühungen einstellen. Im besten Fall macht man aus dem Meditieren ganz bewusst eine offene
und möglichst zwanglose Übung ohne jegliche Ambitionen. Meditation darf selbst nicht zum Leistungsstress werden.
An manchen Tagen kann man sich besser konzentrieren als an anderen. Das sollte man entspannt aktzeptieren.

Meditieren sollte man täglich. 5 Minuten am Tag sind für Einsteiger ein gutes Maß.
Ich persönlich meditiere immer morgens ca. 15 bis 20 Minuten, meistens auch noch am Nachmittag oder Abend.

Vor jeder Übung solltet Ihr eine bequeme Körperhaltung einnehmen. Sitzend oder liegend ist am Anfang egal.
Trotzdem ist es zu empfehlen, das Meditieren irgendwann formal werden zu lassen, im Sinne von aufrecht, mit geradem Rücken, aber entspannt sitzend.
Dies fördert die Konzentration und vermeidet, dass man evtl. eindöst oder in einen diffusen Dämmerzustand abdriftet. Das Üben mit gerader Wirbelsäule hat noch einen positiven Nebeneffekt:
Man trainiert eine gute Haltung. Am Anfang ist dies schnell unbequem, aber nach einiger Zeit hat man mit dem kerzengeraden Sitzen überhaupt keine Probleme mehr.
Die meisten Menschen meditieren wahrscheinlich im Lotus- oder Schneidersitz auf einem Kissen am Boden. Ich z.B. habe Hüftarthrose und sitze auf einem Bürostuhl. Alles ist erlaubt.
Die Hauptsache ist, Ihr seid entspannt und könnt Euch auf das Objekt Eurer Wahl konzentrieren.

Man kann mit offenen oder geschlossenen Augen meditieren. Für Anfänger ist es leichter die nötige Konzentration aufzubauen wenn die Augen geschlossen sind.
Ist man dann etwas weiter fortgeschritten, sollte man versuchen, die Augen halbgeöffnet zu lassen und den Blick leicht nach unten zu führen. Das Meditieren mit geöffneten Augen verhindert
den oben beschriebenen "geistigen Leerlauf": Man möchte beim Üben Achtsam und konzentriert bleiben und nicht diffus wegdriften.



Ich stelle Euch nun mehrere traditonelle Objekte der Meditation vor. Keines ist besser oder schlechter als das andere. Probiert alles aus und findet die Methode, die für Euch persönlich am besten funktioniert:

Am Anfang, ganz klassisch, der eigene Atem: Bei genauerer Betrachtung hat die Atmung überraschend viele Facetten, welche sich alle wunderbar als Übungsobjekt eignen:
Die Länge des Ein- und Ausatmens, die kleinen Pausen zwischen Ein- und Ausatmen, der Klang des Ein- und Ausatmens, das Gefühl der vorbeiströmenden Luft in Nase und Rachenraum, das Heben und Senken des Brustkorbs, ist die Atmung ruhig oder eher angespannt? Etc.

Meine ersten Gehversuche in der Meditation fanden tatsächlich im Gehen statt: Ich habe beim Spazieren meine Atemzüge gezählt. Vier Schritte einatmen und vier Schritte ausatmen ist ein Zyklus: Vier Schritte einatmen - vier Schritte ausatmen - "Eins" - vier Schritte einatmen - vier Schritte ausatmen - "Zwei" - vier Schritte einatmen - vier Schritte ausatmen - "Drei" usw. Natürlich kann man diese Methode auch im Sitzen anwenden. Ihr atmet einmal ruhig ein und aus und zählt ansteigend die Zyklen mit. Man kann bis 10 zählen und dann von vorne beginnen, man kann bis 10 zählen und wieder absteigend zurück bis 1, man kann bis 21 oder bis 100 zählen - das bleibt Euch und Eurer Stimmung überlassen.

Meditieren mit Geräuschen ist für Anfänger vielleicht einfacher als die Konzentration auf die Aspekte der Atmung. Man setzt sich oder legt sich wieder entspannt hin und lauscht einfach mal auf die Geräusche in der Wohnung oder vor dem Haus. Vielleicht läuft gerade die Spülmaschine oder der Nachbar mäht den Rasen. Dies ist übrigens eine wunderbare Übung, um störende Geräusche (Rasenmäher z.B.) einmal mit Distanz und ohne eine Bewertung wahrzunehmen. Auch Geräusche haben bei genauerer Analyse viele Details, die man beachten kann. Man kann auch über die Motivation des Geräuschverursachers meditieren. Meistens ist diese nicht auf uns persönlich gerichtet und soll auch gar keinen Verdruss bewirken. Dieser Perspektivenwechsel macht den störenden Lärm manchmal erträglicher und irgendwann verschwindet der ganze Zorn vielleicht gänzlich.

Man kann auch entsprechende CD's erwerben mit Naturgeräuschen oder tibetischen Klangschalen. Im Buchhandel oder im Internet findet man mittlerweile auch eine sehr breite Auswahl von geführten Meditationen. Dies ist eine gute Variante für Menschen, die sich schwer tun ohne Anleitung zur Ruhe zu kommen. Ich lausche gerne auf die Geräusche der Vögel.

Eine ebenfalls sehr einfache und unmittelbare Methode ist die Konzentration auf die eigenen Körperwarhnehmungen. Man fühlt hier ganz einfach in die einzelnen Körperteile hinein. Beginnend bei den Füßen oder beim Kopf, wandert man nun sinnlich aufwärts oder abwärts durch alle Körperteile: Man beachtet z.B. das Gefühl in den Zehenspitzen, das Druckgefühl des Stuhls, auf dem man sitzt oder konzentriert sich auf die Durchblutung in den Händen. Jede Wahrnehmung kann zur Stütze für die Meditation werden. Schmerzen oder Verspannungen können sogar manchmal ganz nützlich sein um den Geist darauf zu richten und am Ende vielleicht sogar ein ganz neues Verständnis für diese oft einfach verdrängten Eindrücke zu schaffen. Auf der anderen Seite kann man sich aber auch einmal voll und ganz auf positive Sinneswahrnehmungen konzentrieren und schafft so eine größere Aufmerksamkeit für Wohlbefinden und verliert dadurch vielleicht langsam einen festgefahrenen Fokus auf Schmerzen.


Egal wie man meditiert, man möchte eine offene und freundliche Aufmerksamkeit gegenüber unserem Übungsobjekt und allen anderen auftauchenden Eindrücken herstellen, sei es nun der Atem, Geräusche oder das Gefühl der Brille auf der Nase. Ziel ist es, den Moment ganz achtsam zu erleben und nicht schon im Kopf die nächste Email zu formulieren, über Zeitgenossen nachzugrübeln oder den nächsten Wocheneinkauf zu planen. Das Hier und Jetzt darf sein wie es ist, wird nicht abgelehnt und auch nicht festgehalten.

Und zum Abschluss: Meditation braucht Praxis. Kurzfristig profitiert man von jeder Sitzung durch die flüchtige Beruhigung. Langfristig wird diese Ruhe dann dauerhafter. Man wird insgesamt einfach entspannter und offener. Sicher gibt es noch Situationen, wo man aus der Haut fährt oder einen die speziellen Sorgen überkommen, aber diese Momente werden kürzer, seltener und viele Hemmnisse im Geist lösen sich auch ganz auf. Positive und negative Ereignisse erlebt man bewusster und auch mit mehr Abstand. Das schafft Gelassenheit.

Vielleicht seid Ihr durch meine kurze und oberflächliche Einführung angeregt, Euch weiter mit dem Thema zu befassen.
Es gibt viele, viele kostenlose Anleitungen im Internet von ausgebildeten Lehrern, Bücher, Filme, Meditationsgruppen mit und ohne religiösen Hintergrund sind in jeder Stadt erreichbar.
Solltet Ihr noch Fragen haben, meldet Euch einfach bei mir im Kraftraum.


Alles Gute!

Bernd


             



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